So funktioniert Homeschooling mit IServ

Braunschweig. Noch nie war das Braunschweiger Unternehmen so gefragt wie jetzt. Die Lernplattform ermöglicht engen Austausch zwischen Lehrern und Schülern.

Katja Dartsch, 08.01.2021


Am Montag enden die Weihnachtsferien – doch wegen des verlängerten Lockdowns werden nur wenige Schüler in die Schule gehen können. Die allermeisten werden zu Hause unterrichtet. Foto: Ulrich Perrey / dpa

Das neue Jahr beginnt für die rund 40.000 Schüler in Braunschweig im Ausnahmezustand: Für die allermeisten ist den gesamten Januar über Homeschooling angesagt. Ausnahmen gibt es lediglich für Schüler, die dieses Jahr ihren Abschluss machen sowie für Grundschüler, die ab dem 18. Januar im Wechselmodus unterrichtet werden. Fürs Homeschooling wird ein Großteil der Schulen auf die Lernplattform IServ zurückgreifen, die es Lehrern und Schülern ermöglicht, über Videokonferenzen, Chats, Mails und Foren in Kontakt zu bleiben.

Nils Glanz aus der IServ-Abteilung technischer Vertrieb gibt im Interview Tipps, wie die Plattform für den Unterricht genutzt werden kann – und zwar möglichst störungsfrei. Der 32-Jährige ist in Braunschweig aufgewachsen und hat bereits als Schüler der Gaußschule ab 2003 mit IServ gearbeitet. Da war die Lernplattform, die ursprünglich von zwei Schülern der Hoffmann-von-Fallersleben-Schule entwickelt wurde, gerade mal zwei Jahre am Markt.


IServ-Mitarbeiter Nils Glanz hat selbst bereits als Schüler mit der Lernplattform gearbeitet. Foto: Alexandra Siering / IServ

Inzwischen hat die Plattform 2,3 Millionen Nutzer bundesweit und gehört, wenn man das so formulieren will, zu den „Profiteuren“ der Coronakrise: Um 70 Prozent sind die Nutzerzahlen im vergangenen Jahr gestiegen. Die Pandemie beschleunigt die Digitalisierung von Schule ungemein. In Braunschweig arbeiten fast alle Schulen mit IServ, vor Corona wurde die Plattform insbesondere zur internen Schulorganisation genutzt. Nils Glanz hat schon als Student für IServ gearbeitet. Das Unternehmen mit Sitz am Bültenweg beschäftigt rund 100 Mitarbeiter.

Herr Glanz, in der Woche vor Weihnachten haben bis zu 1,5 Millionen Nutzer pro Tag an Videokonferenzen via IServ teilgenommen. Ein Rekord. Dabei gibt es diese Funktion noch gar nicht lange...

Genau. Zu Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr waren die Anfragen nach einer solchen Funktion sprunghaft gestiegen. Der Bedarf war eindeutig groß – und so haben wir innerhalb von wenigen Tagen dieses Tool entwickelt. Die Videokonferenzen laufen nicht über die schuleigenen Server, denn die wären mit den Datenmengen überfordert. Wir nutzen Kapazitäten von Rechenzentren – übrigens ausschließlich deutscher Rechenzentren, weil Datenschutz Priorität hat.

Systemzusammenbrüche aufgrund der starken Nachfrage wie bei anderen Anbietern gab es bei IServ bislang nicht. Aber was passiert, wenn sich am Montag um 8 Uhr alle Klassen zeitgleich einwählen wollen?

Eigentlich sollte selbst das keine Probleme bereiten, da wir die Kapazitäten hochgefahren haben. Wir empfehlen aber grundsätzlich, soweit möglich, zeitlich versetzt mit den Jahrgängen anzufangen. Es reichen wenige Minuten, um die Systeme zu entlasten: Also ein Jahrgang startet um 8, der nächste fünf Minuten später und so weiter. Wenn es zu Störungen bei Videokonferenzen kommt, liegt es in der Regel nicht an IServ und den Kapazitäten. Das hat meistens andere Ursachen.

Nämlich?

Wenn eine Videokonferenz ruckelig läuft oder gar nicht funktioniert, liegt das oft an der WLAN-Verbindung. Videokonferenzen erzeugen live sehr viel Traffic. Viele Drahtlosnetzwerke sind darauf gar nicht ausgelegt. Oft hilft es schon, wenn man seinen Rechner möglichst nah am Router positioniert. Zum Surfen reicht die Verbindung vielleicht im ganzen Haus aus, nicht aber für Videokonferenzen. Sollte die Verbindung sehr schwach sein, funktioniert es am besten, wenn man den Rechner per Netzwerkkabel mit dem Router verbindet. 90 Prozent der Probleme bei Videokonferenzen können so behoben werden: näher ran an den Router oder Netzwerkkabel nutzen!

Wie sieht es aus, wenn Lehrer aus dem Klassenzimmer heraus Videokonferenzen moderieren?

Das hängt davon ab, wie gut die Internetverbindung der Schule ist. Wenn zehn oder mehr Lehrkräfte einer Schule zeitgleich Konferenzen im Schulgebäude abhalten, ist die Leitung schnell überfordert. Besser, man wählt sich von daheim ein. Wenn es anfängt zu ruckeln oder zu haken, empfiehlt es sich, dass nach einer kurzen Begrüßung zu Beginn der Videokonferenz die Mikrofone und Kameras der Schüler ausgeschaltet werden. Denn gerade die Videos erzeugen eine enorme Datenlast, die sich mit jedem zusätzlichen Teilnehmer quasi verdoppelt. Will man auf das Bild nicht verzichten, kann man die Übertragungsqualität runterregulieren, auch das entlastet die Leitung. Für den Unterricht benötigt man ja keine HD-Qualität.

Gibt es Unterschiede bei den Browsern?

IServ funktioniert grundsätzlich mit allen Browsern. Erfahrungsgemäß laufen die Videokonferenzen aber am besten mit Chrome und Firefox, weniger gut geht es manchmal mit dem Internet Explorer. Wenn die Kamera nicht freigegeben werden kann – auch das kommt vor – liegt es häufig an den Privatsphäre-Einstellungen des jeweiligen Computers. Da muss man vorab den Zugriff erlauben.

Videokonferenzen erfolgen häufig nach dem Prinzip Frontalunterricht: Einer steht vorne und erklärt, die anderen hören zu. Pädagogisch ist das nicht das Nonplusultra...

Homeschooling ist natürlich nicht das Gleiche wie Präsenzunterricht. Es bedarf immer einer intrinsischen Motivation der Schüler: Wer keine Lust hat, sich zu beteiligen, ist beim Homeschooling noch schwerer zu erreichen als im Klassenraum. Aber: Videokonferenzen bieten deutlich mehr Möglichkeiten als reinen Frontalunterricht. Wir spielen mal eine Unterrichtsstunde durch: Oft hat man ja einen Präsentationsteil, in dem die Lehrkraft etwas erklärt, dabei vielleicht auch eine pdf-Datei oder eine Power-Point-Präsentation zeigt. In der anschließenden Arbeitsphase können die Schüler dann in Break-Out-Räume aufgeteilt werden. Das sind virtuelle Räume, in denen in Gruppen zusammengearbeitet werden kann. Eine Lehrkraft teilt die Schüler dafür in Gruppen auf und lässt sie für eine bestimmte Zeit in diesen Break-Out-Räumen zusammenarbeiten: Dort sehen sie sich, können miteinander sprechen und im Texte-Modul zudem ein gemeinsames Dokument bearbeiten. Diese Dokumente der einzelnen Gruppen können später von der ganzen Klasse gemeinsam angeschaut und bearbeitet werden.

Können sich die Schüler über IServ auch zum gemeinsamen Lernen treffen, etwa für Klausuren? Oder braucht es immer einen Lehrer dafür?

Virtuelle Räume können nur von Lehrkräften erstellt werden. Aber möglich ist es, dass ein Lehrer oder eine Lehrerin bei Bedarf für einen bestimmten Zeitraum einen Messenger oder – für eine Videokonferenz – einen Raum erstellt, den Schüler zum gemeinsamen Lernen, für Nachhilfe oder so nutzen können. Die Lehrkraft muss den Raum erstellen, muss aber selbst nicht anwesend sein.

Jenseits der Videokonferenzen bietet IServ ja weitere Möglichkeiten, sich auszutauschen: Dokumente, Aufgaben und Ergebnisse können ausgetauscht werden. Gibt es da Neuerungen, haben Sie Tipps?

Es gibt einen riesigen Strauß an Funktionen. Ein paar Tipps kann ich hier geben: Wenn Schüler ihre Ergebnisse an den Lehrkraft schicken wollen, geht das besonders einfach, indem sie ein Foto von der jeweiligen Buchseite oder dem Aufgabenblatt mit ihrem Smartphone machen und das Foto via IServ-App senden. Das ist einfach, und ein Smartphone haben fast alle. Es braucht also keinen Scanner dafür. Auch gibt es seit einigen Monaten die Möglichkeit, dass Schüler über das Abgabe-Modul lediglich die Rückmeldung „erledigt“ erteilen – das bietet sich an, wenn es zum Beispiel Aufgabe war, ein Kapitel in einem Buch zu lesen. Seit Dezember gibt es das Modul „Gruppenansichten“, das von den Schulen installiert werden kann. Die Lehrer können dann in der Navigation alle Termine und Aufgaben einer Gruppe, also einer Klasse oder eines Kurses, strukturiert gebündelt sehen. Ein letzter Tipp betrifft den Schnellzugriff: In der Navigation kann man einzelne Module in die obere Leiste ziehen, sodass sie im Schnellzugriff sind. Man kann einen Link zufügen, der auch Filtereinstellungen speichert – das ist sinnvoll, um sich zum Beispiel schnell die Aufgaben und Termine einer bestimmten Klasse oder eines Kurses rauszusuchen. Das spart Klicks und nerviges Suchen.

Kann man als Lehrkraft eine Art „Sprechstunde“ per Videokonferenz anbieten?

Das geht. Dazu trägt die Lehrkraft diese Zeit im Klassenkalender ein und schreibt in das Freitext-Feld der Gruppenansicht, wann die Sprechstunde stattfindet. Wenn ein Schüler das nutzen möchte, muss er nur auf den Link klicken und gelangt in die Video-Sprechstunde des Lehrers. Über den Messenger kann auch ein „stummer Raum“ erstellt werden, in den die Lehrkraft wichtige Informationen stellen kann. Das ist ein guter und schneller Infokanal: Wenn Schüler die IServ-App installiert haben, bekommen sie die Nachricht sogar als Push-Meldung auf ihr Smartphone.

Wenn etwas nicht klappt oder man für bestimmte Funktionen gerne eine Anleitung hätte – an wen können sich Lehrkräfte wenden?

An die Administratoren ihrer Schule. Sie sind Ansprechpartner für die Kollegen, wenn Probleme auftauchen. Können die Administratoren nicht weiterhelfen, wenden sich diese an uns oder an die zuständigen Mitarbeiter des Fachbereichs 40 der Stadtverwaltung. Unser Schulungsangebot wird permanent erweitert. Bei Bedarf können sich Lehrkräfte an die Stadtverwaltung oder per Mail an unseren Vertrieb wenden: vertrieb@iserv.eu