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In städtischen Schulen funktioniert digitaler Unterricht

Ahlen. Es habe beim digitalen Unterricht „geruckelt“, hieß es nach den verlängerten Weihnachtsferien allenthalben. Schulen in ganz Deutschland gingen an ein und demselben Tag zum Distanzlernen über. Thorsten Müller, IT-Leiter der Stadtverwaltung, spricht von einem Stresstest, dem sich die auch an den Ahlener Schulen verwendete Onlineplattform IServ unterzogen habe. In seinem Urteil über IServ ist Müller trotz vielfach vernommener Kritik fest: „Den Test hat es bestanden, mit Bravour.“

Stadt Ahlen, 20.01.2021


Digitales Lernen an der Albert-Schweitzer-Schule Foto: Stadt Ahlen

Montag habe es tatsächlich Probleme gegeben, Dienstag ruckelte es und ab Mittwoch sei alles stabil gelaufen. Dass die Stadt Ahlen mit IServ auf das richtige Pferd unter zahlreichen Anbietern gesetzt hat, belegten nicht nur die ganz überwiegend positiven Rückmeldungen aus den Schulen. Auch der Hersteller, die Braunschweiger IServ GmbH, reagierte unverzüglich und ohne Aufforderung auf das anfänglich registrierte Ruckeln. Grund für den nicht ganz störungsfreien Schulstart nach den Ferien sei eine so noch nie dagewesene Kapazitätsnachfrage im Netz gewesen.

„Die Plattform ist eigentlich entwickelt worden, um den Präsenzunterricht digital zu ergänzen“, erklärt Thorsten Müller. An jenem Montag sei es hingegen bundesweit zu einer kompletten Umstellung des Lernens auf Digitalunterricht gekommen. „Die Schulen holten ihre fertigen Digitalkonzepte aus den Schubladen und wollten starten, überall zur quasi selben Stunde.“ Unter dieser Last sei IServ vorübergehend in die Knie gegangen. Das Unternehmen habe allerdings sofort zusätzliche Rechnerleistung eingekauft und die Plattform damit stabilisiert. Die Zugriffe auf IServ seien „unvorstellbar groß“, sagt Müller und nennt eine erstaunliche Zahl: „Zu Wochenbeginn fanden mehr als drei Millionen Teilnahmen an Videokonferenzen statt.“ Und auch in Ahlen sei „ordentlich Traffic“ im elektronischen Unterrichtssystem. Allein die Städtische Gesamtschule komme an einem Vormittag auf rund 700.000 Nachrichtenbewegungen.


Janna in der täglichen Mathematik-Videokonferenz der Klasse 3a. Foto: Stadt Ahlen

Die Entscheidung der Stadt für ein digitales Ahlener Schulnetz mit zentralem Server sei „goldrichtig“ gewesen, ist Bürgermeister Dr. Alexander Berger überzeugt. „Von einem Punkt aus unterstützen die städtischen EDV-Experten alle angeschlossenen Schulen, das macht das System schnell und flexibel.“ Drohe etwa aufgrund der Inanspruchnahme an einer Schule ein Leitungsengpass, wird die Lastverteilung automatisch angepasst. IT-Chef Müller: „Wir beobachten das ständig und haben den Datenverkehr sekundengenau vor Augen.“ In diesen Tagen sei der Auftrag erteilt worden, die Leitungskapazitäten zu verdoppeln. Bis 2024 soll das ehrgeizige Projekt abgeschlossen sein. Alle städtischen Grund- und weiterführenden Schulen werden sternförmig an das zentrale IT-Management angeschlossen. Das bedeutet: weg von provisorischen Insellösungen, hin zu einer vernetzten IT-Infrastruktur, die optimale Bedingungen für zeitgemäßes Lernen mit modernen Medien schafft. Rund 5,2 Millionen Euro lässt sich die Stadt Ahlen das kosten. Die weiterführenden Schulen sind weitgehend verkabelt und ans Netz angeschlossen, die Grundschulen ziehen mehr und mehr nach.

Anerkennung zollt der Bürgermeister allen Eltern, die in diesen Wochen das digitale Lernen zuhause begleiten. „Damit wächst allen Erziehenden eine enorme Verantwortung zu, die wir durch bestmögliche technische Ausstattung unterstützen müssen.“ Schon in Kürze rechnet die Stadt mit der Lieferung von gut 1200 iPads, die Schülerschaft und Lehrenden zur Verfügung gestellt werden. Die IServ-Schulungen für die Medienbeauftragten der Schulen laufen unterdessen auf Hochtouren weiter. Brigga Kazmierczak, Leiterin der städtischen Schulverwaltung, unterstreicht das Bemühen des Schulträgers, gute Bedingungen für das digitale Lernen zu schaffen: „Wir haben früh damit angefangen und in Ahlen schon sehr viel auf die Beine gestellt.“ Die Anfänge lägen nicht in der Pandemie, die andere Schulträger kalt erwischt und zum hastigen Handeln gezwungen habe. Schon vor 15 Jahren seien erste digitale „Laptop-Klassen“ an der Diesterwegschule entstanden. „In NRW waren wir damit die erste Stadt, in der schon Erstklässler an digitalen Geräten ausgebildet worden sind.“

Stimmen einiger Schulleitungen:


Klassenlehrerin Kirsten Lüpkes betreut mit IServ ihre Schülerinnen und Schüler aus dem Homeoffice. Foto: Stadt Ahlen

Marienschule, Stefanie Hallermann: Im ersten Lockdown sind wir mit der Testversion von IServ gestartet. Seit den Sommerferien haben wir durch die Unterstützung des Schulträgers die Vollversion im Einsatz. Die Einführung und die Umstellung auf die Vollversion waren etwas holprig, da erst alle Schüler bzw. Eltern auf der Plattform ihre Anmeldedaten bestätigen mussten. Inzwischen können wir ca. 95 Prozent unserer Schüler digital erreichen. Durch IServ haben wir intensiven E-Mail Kontakt mit unseren Schülern und Eltern. Die Kollegen stellen die Wochenpläne und Lernmaterialien auf der Plattform zur Verfügung und laden zu neuen Lerninhalten Lernvideos hoch. Für Kinder und Eltern bietet IServ die Möglichkeit, mit den Lehrern zu kommunizieren, um Fragen zu klären. Auch in der Kommunikation unter den Kollegen kommt IServ zum Einsatz. In dieser Woche wurde unsere erste Lehrerkonferenz digital als Videokonferenz durchgeführt. Die Eltern, sowie alle Kollegen sind von IServ überzeugt, da sie den intensiven Austausch zwischen allen an Schule Beteiligten fördert.

Overbergschule, Sabine Schlarmann: „Kinder nutzen Geräte zuhause. Wo sie fehlen, können sie Geräte der Schule nutzen, was insbesondere wichtig ist für die Abschlussschüler. IServ-Schulungen wurden aktualisiert für das Lernen zuhause und natürlich werden Videokonferenzen durchgeführt. Die Förderschüler haben auf diesem Wege ihre Sprechstunden.“

Diesterwegschule, Antonia Heringloh: Stand der Dinge ist, dass alle Schülerinnen und Schüler einen eigenen Zugang erhalten haben. Die Anmeldung gestaltete sich komplex für unsere Elternschaft und viele benötigten intensive Unterstützung. Auch die Nutzung war für viele nicht einfach. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halfen bei diesen Schwierigkeiten telefonisch. Alle Schülerinnen und Schüler, die nun bei IServ unterwegs sind, freuen sich ihre Lehrerinnen und Lehrer Videokonferenz zu sehen und sich miteinander auszutauschen. Neben dem „Hallo, wie geht es dir?“ gehört auch Hilfestellung bei Fragen zu den Lernpaketen.

Martinschule, Stefanie Dudek: Wir geben Aufgaben heraus und bekommen online die Rückmeldungen. Für Eltern und Lehrer ist das sehr benutzerfreundlich.

Augustin-Wibbelt-Schule, Diethild Sicking: Alle Kinder sind in IServ eingebunden. Der Mailkontakt zu den Eltern läuft ausschließlich über die Mailadresse der Kinder. AP und Materialien werden über die IServ-Mailadresse an die Kinder und Eltern verschickt. Einmal in der Woche hat jede Klasse eine Videokonferenz, in der Fragen zu den Aufgaben gestellt werden können und man sich austauscht. Es ist keine Verpflichtung und kein Unterricht. Die Eltern entscheiden, ob Sie das Material selbst ausdrucken oder an der Schule montags ab 08:00 Uhr abholen. Die Dienstbesprechungen der Lehrer finden online im Videokonferenzraum über IServ statt.

Lambertischule, Gudrun Kraus: Wir haben IServ im Frühjahr eingerichtet, als es die Möglichkeit gab, bis zum Sommer die Plattform kostenlos zu nutzen. Mit Hilfe der städtischen IT-Abteilung haben wir zunächst die Lehrer und dann nach und nach auch die Schüler der Klassen 1-3 eingepflegt. Dabei war die Stadt sehr hilfsbereit und hat uns gut unterstützt. Das tut die gesamte IT-Abteilung auch weiterhin sehr verlässlich. Da die Stadt als Träger dann die Kosten übernommen hat, konnten wir IServ weiter benutzen und ausbauen. Nun im Lockdown erweist sie uns eine große Hilfe bezüglich der Vereinfachung der Kommunikation mit den Eltern und Kindern. Darüber hinaus nutzen wir vor allem das Videotool. Dadurch ist der Kontakt zu den meisten Kindern deutlich besser als im Frühjahr.

Städt. Gesamtschule, Elisabeth Beier: Die anfänglich technischen Probleme sind weitgehend gelöst. Die Städt. Gesamtschule führt einen 1:1 Unterricht nach Stundenplan durch. Dazu werden entweder Videokonferenzen abgehalten oder ein Austausch über den Messenger gewährleistet. Über die Kalender-Funktion erstellen die Klassen- und Fachlehrerinnen und Fachlehrer jedem Schüler und jeder Schülerin einen individuellen Plan. Zum Umgang mit I-Serv sind für die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern verschiedene Erklärvideos beispielsweise zum Thema Anmeldung bei IServ oder zum Aufgabenmanagement auf der Homepage abgelegt. Wir nutzen Audiorückmeldungen zu den Aufgaben, damit die Schüler unsere Stimmen hören. Das ist einfach persönlicher.